Als Via Francigena, auch Frankenweg genannt, führt ein Pilgerweg von Canterbury und nach der Überquerung des Ärmelkanals, diagonal durch Frankreich und via die Westschweiz über die Alpen nach Rom zur Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus. Die Rekonstruktion der Via Francigena heute, stützt sich im Wesentlichen auf Angaben des Erzbischofs Sigerich von Canterbury, der im Jahre 990 nach Rom pilgerte.

Nördlich der Alpen führt der Weg von Canterbury über Calais, Arras, Péronne, Laon nach Reims mit seiner wunderschönen Kathedrale. Via Châlons-enChampagne, Bar-sur-Aube, Langres und Besançon gelangt man nach Lausanne in der Westschweiz. Dem Lac Léman entlang und am berühmten Château de Chillon vorbei geht es weiter nach Saint-Maurice, wo im Oktober ja hoffentlich unsere, wenn auch verkürzte, GV stattfinden soll.

Weiter folgt man der Rhone aufwärts noch ohne grosse Anstrengung bis nach Martigny, wo der Aufstieg zum Dach der Via Francigena, dem Gr. Sankt Bernhard auf 2469 m Höhe gelegen, beginnt. Nach der Überquerung der Alpen, gelangt man durch das Aostatal in die Poebene mit ihren Reisfeldern. Von dort aus bietet sich ein letzter überwältigender Blick auf den imposanten Alpenkamm! Über Pavia und Fidenza geht weiter ebenaus, bevor man dann scharf nach Süden abdreht und am Passo della Cisa den Apennin überquert.

Hinunter und an den Marmor-Steinbrüchen von Carrara vorbei, gelangt man nach Lucca. Über San Gimignano führt die Via Francigena weiter nach Siena, von wo aus man auf der alten Römerstrasse Via Cassia teilweise dasselbe Pflaster wie einst die Römer vor rund zweitausend Jahren begeht.

Der Lago di Bolsano und Sutri sind neben vielen anderen noch weitere lohnenswerte Sehenswürdigkeiten, bevor man am gesteckten Ziel, dem Petersplatz in Rom eintrifft! Diesen interessanten Pilgerweg habe ich in den Jahren 2017 und 2018 in zwei Etappen von je ca. 950 km begangen. Ich benötigte dazu knappe 3 Monate und schildere nachstehend eine meiner Lieblingsetappen.

Auf der Francigena oder «Aller guten Dinge sind drei»!

Eine meiner schönsten Etappen auf dem Pilgerweg von Canterbury nach Rom, erlebte ich zwischen Vetralla und Sutri also nur noch knapp 60 km von Rom entfernt! In beinahe «tiefem Urwald» ging es am Nachmittag auf und ab längere Zeit einem Bach entlang. Der moosbedeckte Boden, die Lichteinfälle und das sanfte Rauschen des Wassers liessen einem mehr als einmal kurz innehalten. Als das Gelände wieder etwas weiter wurde und der Pfad mitten durch eine Wiese voller gelben Blumen führte, kamen mir plötzlich zwei Pferde entgegen. Von einer Begleitung war aber weit und breit nichts zu sehen.

Als sonstiger Velofan und damit nur mit Erfahrung betreffend Drahteseln aber nicht Pferden versehen, war vorerst einmal Respekt und Vorsicht geboten. Doch die beiden herrenlosen Pferde ohne Sattel begannen glücklicherweise friedlich in der Wiese zu weiden. So war es für mich ein traumhafter Anblick von Anmut dieser beiden Pferde in absoluter Freiheit! Kurz darauf kam mir auf dem wiederum engeren Weg noch ein drittes Pferd ohne Reiter entgegen. So blieb ich einfach stehen und liess es in einer Entfernung von nur wenigen Metern an mir vorübergehen, bevor es sich den beiden weidenden Pferden anschloss. «WOW», waren das einmalige Momente absoluter Bewunderung und Faszination in wunderschöner friedvoller Natur! Ich wunderte mich, wem diese Pferde wohl gehörten und woher sie gekommen waren? Nach einem bis zwei Kilometern kam ich an einem Garten vorbei, wo jemand arbeitete. Auf meine Frage, wem die drei Pferde gehören, sagte man mir, dass diese wohl einen versehentlich offen gelassenen Weideabschnitt benutzt hätten, um einen Nachmittag in absoluter Freiheit zu geniessen.

Vor Sutri, bekannt durch ein in den Tuffstein gehauenes Amphitheater sowie Höhlengrabstätten der Etrusker, traf ich dann noch auf eine, mir zuvor auf einer Tagesetappe im einsetzenden Regen begegnete und bereits bekannte junge zierliche Chinesin. Sie stellte sich als grosses Sprachentalent und später in der Römer Pilgerunterkunft, wo wir uns erneut trafen, auch als ausgezeichnete Gitarrenspielerin und talentierte Sängerin - ein wenig «à la Carla Bruni» heraus! Leider habe ich von ihr, trotz einer Einladung in die Schweiz, nichts mehr gehört - Ultreïa!

 

Die Aufnahme stammt irgendwo aus der Po-Ebene (es muss in Tromello sein – mir ist dieser freundliche Italiener auch begegnet; Anmerkung der Ultreïa-Redaktionsleiterin). Der nette Italiener mit seinem in den Landesfarben bemalten Velo, macht mir den nötigen Stempel in meinen Pilgerpass bei sich zuhause und bringt ihn mir darauf zurück. Sympathische Geste, nicht wahr!

George Mäder,
Webdesign - Sulaxna Kurbet